Das Flüchtlingslager Parolinya, Uganda … Glorious .. und mein neuer LKW

Unser Tag beginnt mit einem 2-Stundengesprch mit dem Camp-Direktor des derzeit 160.000 Menschen Unterkunft bietenden Flüchtlingslagers Palorinya.  Täglich wächst das Lager – allein letzte Nacht sind 1.600 Süd-Sudanesen vom Grenzort Elegu mit Bussen ins Camp gebracht worden. Wir freuen uns dass er uns ausführlich und mit Detailkenntnis ihre dringendsten Anliegen nennt: Schulen, Med. & Wasser-Versorgung, Ausbildung, Sanitäranlagen …

Wir erzählen dem Commander von Palorinya warum wir ihn aufgesucht haben.  Wir hatten in den letzten Tagen entschieden diesen Besuch zu wagen, weil es unsren Mitarbeitern mitgeteilt worden war, dass nun auch die ca 20 Patenkinder von KHW und einer kanadischen Partnerorganisation  wegen dem wütenden Bürgerkrieg in Süd-Sudan nichts anderes übrig geblieben ist als ebenfalls zu flüchten.  Ein Bericht, dass ein Patenkind getötet wurde können wir immer noch nicht bestätigen, fast alle Kinder haben sich in den letzten Tagen bei ihren Betreuern melden konnten.  Nun ist uns auch in Deutschland eine größere Summe für eine Hilfsmaßnahme angeboten und wir nutzen diese Gelegenheit auch diese Möglichkeit konkret zu prüfen.

Wir verlassen unsere Unterhaltung mit einem dankbaren Herzen.  Dass Bildung und Ausbildung so dringlich in seinen Augen ist, läßt uns hoffen, dass ein Projekt hier sehr gut umzusetzen sein wird. Denn Schulen sind ein Schwerpunkt der Arbeit hier in Uganda.  Nun fahren wir in die Lager um uns einen Eindruck der Alltagssituation und der Camporganisation zu machen.

Die Headquarters sind professionell und ausufernd aufgebaut.  Es gibt Meldezelte für Menschen die ihre Angehörigen suchen, Medizinische Bereiche, Verteilzentren … alles halt in große Zeltanlagen.  Immer wieder fahren wir auch an Wassertanks die neben Pumpenanlagen wie wir sie kennen und überall in den Dörfern seit Jahrzehnten hier einrichten. Mit einfachsten Mitteln ist hier die Notversorgung der Menschen gesichert worden.  Ich erinnere mich an die Worte des Direktors, dass zwischen Oktober und Februar sogar die Tiere am Sterben waren, wegen der großen Dürre die Uganda traf und wie dankbar er war, dass diese momentan vorbei sei. Konstant fahren große Wassertanker vorbei, die unterstreichen wie dringend eine große Wasserpipeline vom 5km entlegenen Fluß ist – die Hand- und Solarpumpenanlagen befördern einfach nicht genug Wasser für die ansteigende Bevölkerung.

Tatsächlich treffen wir hier im Zentralcamp wieder Julius – unser Fahrer hatte mit ihm Nummern ausgetauscht nachdem er Gestern bei der Reifenpanne spontan ausgeholfen hatte.  Er steigt ein und wird unser „Navi“ für den Rest der Reise.  Die Mobilfunkverbindung ist schrecklich obwohl dieses Werkzeug GANZ wichtig ist für solch eine Notsituation wie das Campleben.  Moses Abasoola, unser KHW Mitarbeiter in UG seit 1993, kann tatsächlich telefonisch Verbindung mit einem Patenkind von Furaha, Gloria, aufnehmen. Somit lotzt Julius zum größten Zone in Palorinya, Luru.  Es bedrängt mich solche Weiten gefüllt mit Hütten – in Kilometer-Quadrate aufgeteilt auf geteilt, schätze ich – zu sehen.  Aber ich bin von der Ruhe und die Akzeptanz der Menschen beeindruckt (ich kann einfach nicht Gelassenheit hier allein schreiben, aber die Menschen strahlen keine Angst aus – auch nicht die Ugander, die hier ihren Lebensraum teilen müssen und dessen Dörfer zwischen den Zones ausgespart wurden).

Wir kommen an eine Nahrungsverteilung vorbei.  Jetzt bedrängt es mich. Es ist schon beschämend sich nicht von seinem Acker ernähren zu können, wie die Menschen es hier seit Jahrtausenden tun. Dabei schmücken kleine Gärten fast jede der 10.000den mit Planen zusammengebastelte Schlaf- und Wohnhütte die die Flüchtlinge sich selbst hier bauen.  Dabei dürfen sie alle Bäume fällen die NICHT mit blauer Farbe gekennzeichnet sind, erklärt Julius.  Gute Planung, denke ich leise – hier wird aus einem großen Wald eine dauerhafte Siedlung ermöglicht!  Jeder hat eine Nahrungskarte womit er monatlich nur noch 6 anstatt 12kg Korn und Bohnen. Zu wenig beklagt Julius – und ich erinnere mich schon wieder an unser Vormittagsgespräch und die Nöte die der Offizier schilderte mit Wasser und Nahrungsmittel.  Saatgut wäre auch ein gutes Nebenprojekt, murmelt Moses unbewusst als wir die Enge der Verteilstelle hinter uns gelassen haben.

Und jetzt steht Gloria vor uns.  Was für ein Segen ein Mobiltelefon ist – auch wenn ihrs aussieht als käme es aus dem letzten Jahrhundert – es funktioniert noch und das hat uns zusammengeführt. Als sie in unser Fahrzeug einsteigt ist endgültig die vorgesehene Passagierzahl überschritten, aber das ist hier jedem Egal. Wahren wir ihr „Zuhause“ ansteuern erfahre ich schon, dass sie nur eine Handvoll der Patenkinder des Programms hier bisher gesehen hat. Andere sind in Bidi Bidi, dass wir nicht mehr erreichen werden.

Zuhause angekommen treffen wir auf 4 ihrer 7 Geschwister sowie ihre Mutter.  Dass das erste Thema, welches sie uns beklagt, die Schule hier ist, beeindruckt mich.  Diese 16jährige will lernen!  Die Zustände der wenigen Campschulen ist genauso schlimm wie der Commander es uns sagte: 130 Kinder in der dritten Klasse – pro Lehrer.  Auch in der 11 – Senior 3 – wo sie hin müsste, ist der Fußweg mehrere Kilometer und der Klassenraum erlaubt es ihr gar nicht sich reinzudrängen.  Wenn Du nicht unmittelbar nah bei der Schule wohnst hast Du gar keine Chance – es ist Zwecklos zu gehen.

Wir reden über vieles und dürfen auch ihre selbstgebauten „Häuser“ und kleine Kochstelle betreten; ein kleiner Garten ist ebenfalls schon angelegt.  Ihre Mutter ist sprachlos – auch wenn sie englisch sprechen könnte, merke ich, dass sie noch Zeit brauchen wird unsren Besuch zu verkraften.  Ich denke an Engelerscheinungen in der Bibel … !  Ihr „neues“ Leben hier im Camp ist für sie erträglich.  Sie haben vor allem Hoffnung dass der Konflikt im 50km entfernten Heimaltland bald vorbei ist (ich bin da skeptischer).  Doch hier können sie erst einmal leben.
Gegenüber der Straße steht ein Versammlungszelt wie sie regelmäßig im Lager an zentralen stellen aufgestellt wurden. Auf dem Schild steht „Clasic Music & Ricki Oh (Hot Karate) 1 pm“. Fußball wird hier auch geschaut sagen mir die Jungs, weil ich auf die Sat-Schüssel zeige.
Glorias Bruder, Godi, vielleicht 9, zeigt mir noch sein Spielauto, ein selbstgebastelter LKW aus einer 1-Liter Öl-Dose und Flaschenverschlüsse! 
Das ist Afrika: Die Menschen hier werden überleben und Kinder die gleichen überall auf der Welt. Auch hier spielen sie Fußball auf jeder dafür freigemachten Fläche!  Doch, wir können helfen.  Wir müssen helfen, auf politischer Ebene, dass solche ignorante Regierungen wie die in Sudan nicht ungehindert ihre Bevölkerung bedrängen und sogar ermorden.  Humanitär, und als Christen – das versteht sich von allein.
Ich habe eine Idee: Neben der großzügigen Summe die wir der Mutter selbstverständlich für die nächsten Wochen im Camp geschenkt haben, biete ich Godi 15.000 Schilling für sein LKW an. Mit diesem Fahrzeug möchte ich die Geschichte seiner Flucht in Deutschland erzählen – er könne sich doch leicht einen neuen bauen.  Er willigt natürlich ein – und unser Fahrer fragt noch 2x nach ob er wirklich zu dieser Familie gehörte – denn mit so viel Geld würde er, zuhause angekommen, ein großes Problem bei seinen Eltern bekommen. 

 Der Gedanke läßt mich nicht los:  … ja, … ich auch – ich möchte nicht mit all meinem Geld zuhause ankommen….

(Ich setzte diesen Text sehr roh erstmal ins Netz – die Rückreise hat begonnen und ich sitze im Auto seit stunden dank moderner Technik – Bob, Hendrk und ich fliegen gleich nach Äthiopien in unser Projekt dort – der Rest der Gruppe wird hier über ihren Einsatz in Kabwangasi).

Übernommen aus dem nichtegal.blogspot.com post.

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