ÄTHIOPIEN – Unterstützung hat einen roten Faden

Duft von geröstetem Kaffee erfüllt den Raum. Hanna, Projektleiterin in Äthiopien ist anlässlich unseres 40-jährigen Jubiläums 2016 angereist und nimmt die Gäste während einer traditionellen Kaffeezeremonie mit auf eine kulinarische Reise in ihr Heimatland.

Äthiopien liegt im Nordosten Afrikas und zeugt als Vielvölkerstaat von einer der reichsten Historien des afrikanischen Kontinents. Tiefe Schluchten, bizarre Salzseen, Regenwälder und sengende Wüsten präsentieren die kontrastreiche Natur in ihrem ganzen Reichtum.

Doch in Wirklichkeit ist Äthiopien von Armut bestimmt. Es ist eines der ärmsten Länder der Welt, in dem etwa 30% der Menschen mit nur 1,13 Euro pro Tag unterhalb der Armutsgrenze leben. Rasches Bevölkerungswachstum mindert den Erfolg wachsender Wirtschaft. Anhaltende Dürreperioden, die den Haupterwerbszweig der Landwirtschaft erschweren und ein Mangel an Ressourcen führen dazu, dass die Armut verharrt. Darüber hinaus kommt es immer wieder zu Unruhen und teils gewaltsamen Protesten gegen die äthiopische Regierung. Ein nächstes großes Problem besteht im Umgang mit Menschenrechten, die von der Regierung zwar geschützt werden, sich jedoch häufig nicht mit der Realität decken. Frauen erfahren Gewalt und Diskriminierung, sind von immer noch bestehenden traditionellen Praktiken wie Genitalverstümmelung betroffen. Noch junge Mädchen werden zwangsverheiratet und können gar nicht oder nur eine kurze Zeit zur Schule gehen. Viele Kinder nehmen nicht am Unterricht teil, weil das geringe Einkommen der Familien für die Entrichtung von Schulgebühren über die Lebenserhaltungskosten hinaus nicht ausreicht. Durch Kinderarbeit, Prostitution und ein Leben auf der Straße – allein in Addis Abeba, der Hauptstadt Äthiopiens, betrifft dies schätzungsweise 25000 Kinder – schließt sich häufig der Kreislauf der Armut. Ohne Hilfe von außen ist nur selten ein Ausweg aus den einzelnen Notsituationen der Familien in Aussicht.

Fundament der Patenschaft

Seit 1991 ist unser Kinderhilfswerk in Äthiopien aktiv und verändert durch wertvolle Patenschaften und Projekte die Perspektive von bedürftigen Mädchen und Jungen. Das Leben eines Kindes wird durch eine 1:1 Patenschaft bedeutend gestärkt. Eine ausgewogene Ernährung, Kleidung und medizinische Versorgung im Krankheitsfall sind sicher gestellt. Schulgebühren, die den geringen Verdienst einer äthiopischen Familie überschreiten, werden mit abgedeckt, sodass Bildung mitunter auch Fluchtursachen bekämpft.

Ebenso im Fokus einer Patenschaft steht der Schutz vor Kinderarbeit und einem Leben auf der Straße. Die Ursachen liegen nicht selten im Verlust des Elternhauses durch Tod. So ist die Situation des kleinen äthiopischen Jungen, der nur noch einen blinden Opa hat, weil die Oma letztes Jahr und die Eltern vor langer Zeit an HIV verstorben sind, kein Einzelfall. Genau diese Kinder haben eine helfende Hand verdient und erhalten im Rahmen persönlicher Patenschaften neue Hoffnung. Das Besondere in unserem Projektland Äthiopien: Unterstützung
endet nicht mit dem Schulabschluss.

Sicherer Start ins Berufsleben

Ein vom Bürgermeister von Bishoftu zur Verfügung gestelltes Grundstück, wertvolle Zuwendungen durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und jede Menge Einsatz auf der Baustelle haben im September 2010 einen großen Schritt möglich gemacht. Seitdem erfahren jährlich bis zu 100 fleißige Jugendliche, was es bedeutet, auch nach der Schulzeit sicher in die Zukunft schauen zu können. Küche / Gastronomie, Hotelbetrieb/Service, Bauhandwerk, Schlosser und Elektroinstallation sind die Fachbereiche, die für die einjährige Ausbildung zur Auswahl stehen. Wissbegierig, motiviert und dankbar nehmen die Azubis ihre Chance ernst, schließen mit einer überragenden Rate erfolgreich ab und halten am Ende stolz ihr Zertifikat in den Händen. Die Weichen für eine sichere Zukunft sind gelegt und die Aufnahme eines Arbeitsverhältnisses mehrheitlich gesichert. 2015 fand vorübergehend kein Betrieb statt, weil die Lizenz, die regelmäßig erneuert werden muss, noch nicht vorlag. In diesem Jahr konnten die Kurse dann wieder turnusgemäß im September starten. Momentan absolvieren 50 Jugendliche eine Ausbildung in den Bereichen Küche/ Gastronomie und Hotelbetrieb/Service.

Wertvolle Spuren

Ein neuer Arbeitstag in der landestypischen Lodge mit traumhaftem Seeblick beginnt. Rund 200 Gäste finden hier Platz und werden liebevoll betreut und versorgt. „Wie geht es Ihnen? Ich lebte ein Jahr in Deutschland!“ begrüßt Lodge-Inhaber Legesse mit freundlicher, afrikanischer Offenheit Pastor Siegfried Froese aus unserem Vorstand, der Anfang 2016 selbst vor Ort war. Überrascht hört er, dass Legesse mehrfach unser Ausbildungszentrum in Bishoftu besucht hat, um den Unterricht zu begleiten und zu begutachten. Inzwischen hat er „alle Schüler, die noch zu haben waren“ übernommen und bisher keinen entlassen. Denn, wie er sagt, ist „die Ausstattung die Beste aller Schulen in Bishoftu, der Unterricht hervorragend und das Ergebnis spitze.“
Davon zeugen auch Tekalign und Yitebarek, zwei junge Männer, die im Anschluss an ihre Ausbildung in der Lodge von Legesse eine Arbeitsstelle g e f u n d e n haben. Yitebarek nimmt sichtbar stolz die Bestellung unserer Mitarbeiter auf. Tekalign kümmert sich als Supervisor im Bereich Getränkeservice um das Wohl der Gäste. Er hat schon früh seinen Vater verloren und lebte mit seiner Mutter und zwei Geschwistern in sehr armen Verhältnissen in Addis Abeba. Durch eine Patenschaft hat er von klein auf Unterstützung erfahren, konnte die Schule besuchen und seine Ausbildung in Bishoftu absolvieren. Heute ist er 23 Jahre alt und hat ein festes Arbeitsverhältnis erreicht. Ein beeindruckender Moment, der unterstreicht, welch wertvolle Spuren unterstützte Bildung im Leben eines Kindes hinterlässt. Herzlichen Dank an alle Unterstützer und Freunde, die eindrückliche Veränderungen im Leben der Kinder und Familien bewirken. Gemeinsam bringen wir Freude und Zuversicht nach Äthiopien und schenken durch Patenschaften und Ausbildungsplätze einen neuen Weg.

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